Im Jahr 2019 brachte das Unter­neh­men Yoshi­moto Kogyo die Film­ko­mö­die „Little Miss Period“ her­aus. In die­ser geht es um eine Figur, wel­che die Peri­ode ver­kör­pert. Sie ist dabei ein „rosa­far­be­nes, herz­för­mi­ges Wesen“, das men­stru­ie­rende Men­schen Monat für Monat beläs­tigt und „furcht­bare Schläge in die Magen aus­teilt.“ Aber Little Miss Period, oder Seiri-chan auf Japa­nisch, trös­tet sie auch. Dazu­kommt, dass sie mit einer Spritze Blut abnimmt, um zu zei­gen, wie sich die Peri­ode anfüh­len kann.

„Wenn Män­ner doch nur Peri­oden bekä­men, und sei es nur ein­mal im Jahr.“

Der Film basiert auf einem Manga des Zeich­ners Ken Koyama, wel­cher als sehr unver­blümt beschrie­ben wird. Darin besucht Little Miss Period Men­stru­ie­rende, um ihnen ihre „Mens­trua­ti­ons­schläge“ als Krämpfe zu ver­ab­rei­chen. Aber sie unter­stützt sie auch in all­täg­li­chen Situa­tio­nen. Und wenn Men­stru­ie­rende auf eine/n gefühllose/n Partner:in tref­fen, schlägt sie auch diese/n, um zu zei­gen, wie es sich anfühlt. Die Hand­lung des Films ist darin weit­ge­hend ähn­lich. Aoko, die Haupt­fi­gur, arbei­tet in einem Ver­lag unter einem männ­li­chen Chef, der ihren Schmer­zen gegen­über abwei­send ist. Außer­dem hat sie einen ver­wit­we­ten Freund, der eine kleine Toch­ter allein groß­zieht. An einer Stelle sagt sie: „Wenn Män­ner doch nur Peri­oden bekä­men, und sei es nur ein­mal im Jahr.“

Hier fin­dest du den japa­ni­schen Trailer:

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Little Miss Period in einem grö­ße­ren Kontext

Der Film ist ein Ver­such, die die The­ma­tik der Peri­ode in Japan zu ent­stig­ma­ti­sie­ren, und gleich­zei­tig ein bes­se­res Ver­ständ­nis zwi­schen den Geschlech­tern dafür zu schaf­fen. Er erkennt sogar die Geschichte dahin­ter an: Dabei han­delt es sich um die Geschichte über ein Mäd­chen aus dem Japan der Feu­dal­zeit. Sie ist gezwun­gen, in einer von ihrer Fami­lie getrenn­ten Hütte zu woh­nen, da ihre Peri­ode als „unrein“ ange­se­hen wird.

Bereits seit den 1940er Jah­ren ist der Mens­trua­ti­ons­ur­laub gesetz­lich ver­an­kert, aber er ist nicht so uto­pisch, wie er klingt. Es hängt von den ein­zel­nen Unter­neh­men ab, wie viel Urlaub ange­bo­ten wird oder ob er bezahlt ist. Nur wenige Men­stru­ie­rende füh­len sich jedoch wohl dabei, wenn sie die­sen Urlaub neh­men. Immer­hin wür­den sie damit ihren Zyklus vor ihren Chef:innen und Kolleg:innen preis­ge­ben. Dadurch könn­ten sie Gefahr lau­fen, sexu­ell beläs­tigt zu wer­den. Und in einer Arbeits­welt, in der sie die Außenseiter:innen sind, könnte dies die nicht-men­stru­ie­ren­den Kolleg:innen ver­är­gern, die ihre Arbeit decken müs­sen. Außer­dem sehen die Shinto-Reli­gion und andere große Teile der japa­ni­schen Gesell­schaft die Mens­trua­tion als unrein an, also wird es sel­ten dis­ku­tiert. Viele Men­stru­ie­rende wis­sen viel­leicht nicht ein­mal, ob ihr/e Arbeitgeber:in Mens­trua­ti­ons­ur­laub anbie­tet, oder sie wur­den nie dazu ermu­tigt, wel­chen zu neh­men. Gegen die­ses Schwei­gen und die aus Unwis­sen­heit gewach­se­nen Resi­gna­tion will der Film ankämpfen.

Lob und Kri­tik für Little Miss Period

Der Film wurde größ­ten­teils mit posi­ti­vem Bei­fall auf­ge­nom­men. Leser:innen des Man­gas hat­ten bereits bemerkt, dass Little Miss Period zwar einen Fort­schritt dar­stellte, aber nicht ganz unpro­ble­ma­tisch war. Einige die­ser Kri­tik­punkte haben sich nun auch auf den Film über­tra­gen. Die Haupt­kri­tik­punkte waren seine Ste­reo­ty­pen über die Mens­trua­tion, und auch die Miss­ach­tung des zugrunde lie­gen­den Sexis­mus am Arbeits­platz in Japan. Die Schrift­stel­le­rin und Femi­nis­tin Min­ori Kita­hara sagte, die Bemü­hun­gen seien zu begrü­ßen, aber der Film behan­delte das Thema „wie eine Comedy-Talk­show.“

Trotz­dem wird der Film als eine über­ra­schend ehr­li­che Dar­stel­lung des Lebens wäh­rend der Mens­trua­tion ange­se­hen. Kinobesucher:innen aller Geschlech­ter und Iden­ti­tä­ten fan­den den Film hilf­reich, um die Wis­sens­kluft über die Peri­ode zu über­brü­cken. Eine Frau sagte sogar, alle nicht men­stru­ie­ren­den Men­schen soll­ten die­sen Film unbe­dingt anschauen. Ihr Freund nannte den Film jedoch nur „lehr­reich“, da er wenig Ver­ständ­nis für das Thema hatte. Eine andere Per­son äußerte, sie ver­spüre Hoff­nung, als sie erfuhr, dass der Regis­seur ein Mann war. Diese Tat­sa­che allein hat sie sehr bewegt und sogar zu eini­gen Trä­nen wäh­rend des Films gebracht.

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Andere Aus­wir­kun­gen

Auch für die För­de­rung von Offen­heit, ent­schied sich das Kauf­haus Dai­maru in Osaka, „Wohl­fühl­ab­zei­chen“ für seine men­stru­ie­ren­den Ange­stell­ten anzu­bie­ten. Diese Abzei­chen, die mit Little Miss Period abge­bil­det wur­den, soll­ten wäh­rend der Mens­trua­tion getra­gen wer­den. Sie soll­ten das Mit­ge­fühl und die Soli­da­ri­tät unter den Kolleg:innen för­dern. Diese neue Ent­schei­dung löste jedoch eine ziem­li­che Kon­tro­verse aus. Einige Einkäufer:innen unter­stüt­zen die Idee, andere befürch­te­ten, dass die Arbeitnehmer:innen dadurch zur Ziel­scheibe von Beläs­ti­gun­gen wer­den könn­ten. Dai­maru beschloss des­halb, die Ent­schei­dung noch ein­mal zu über­den­ken, und die Anste­cker so umzu­ge­stal­ten, dass sie weni­ger auf­fäl­lig sind.

Am Ende lässt sich jedoch sagen, dass Little Miss Period ein­deu­tig ein Sym­bol für mehr Offen­heit und Ver­ständ­nis für die Mens­trua­tion in der japa­ni­schen Gesell­schaft ist. Den­noch ist das Thema nach wie vor kom­plex und blu­tig – in Japan und auf der gan­zen Welt.

Ailsa Fraser, writer, Texterin, Vulvani
Ailsa 
Stu­die­rende & Texterin | + posts

Ailsa wohnt in Eng­land und stu­diert Geschichte und Poli­tik in Schott­land. Sie ver­bringt ihre Zeit gerne mit Schrei­ben, Tag­träu­men und Gedan­ken über die Zukunft - ins­be­son­dere über Frauen und LGBT-Men­schen in allen drei.