Hast du schon mal was von Myo­men in der Gebär­mut­ter gehört? Myome sind abnorme, nicht krebs­ar­tige Wuche­run­gen in, auf oder auch um der Gebär­mut­ter herum, die wäh­rend der frucht­ba­ren Jahre auf­tre­ten kön­nen. Sie kom­men ent­we­der ein­zeln oder in Grup­pen vor. Die Größe kann hier­bei von einem klei­nen Samen­korn bis hin zu einer Grape­fruit vari­ie­ren. Myome, auch Fibro­ide genannt, kön­nen eine Viel­zahl von Sym­pto­men mit sich brin­gen, die von sehr star­ken Monats­blu­tun­gen über extreme Bauch­schmer­zen bis hinzu Harn­weg­s­pro­ble­men rei­chen kön­nen. Ein Leben mit Myo­men kann für Betrof­fene enorme Ein­schrän­kun­gen im All­tag bedeu­ten. Doch nicht alle lei­den unter Sym­pto­men und viele wis­sen gar nicht, dass sie Gebär­mut­ter­myome haben.

Leben mit star­ken Myomen

Bis zum Alter von 50 Jah­ren haben bis zu acht von zehn Men­schen mit einer Gebär­mut­ter Myome. Es ist also ein weit ver­brei­te­tes medi­zi­ni­sches Pro­blem. Trotz der Häu­fig­keit ist es jedoch ein wei­te­res Gesund­heits­thema, was men­stru­ie­rende Men­schen betrifft, was nicht aus­rei­chend beach­tet wird. Auf­grund feh­len­der For­schung in die­sem Bereich sind die Ursa­chen für die Ent­ste­hung sowie Ver­brei­tung von Myo­men immer noch unbe­kannt. Auch den Behand­lungs­mög­lich­kei­ten wird nur wenig Auf­merk­sam­keit geschenkt. Mit unse­rem Inter­view erzählt Rosco Spears, die vor acht Jah­ren mit star­ken Myo­men dia­gnos­ti­ziert wurde, wie ein Leben mit die­ser Dia­gnose wirk­lich aus­sieht. Vie­len Dank, liebe Rosco, dass du uns so ehr­lich auf deine Reise und Erfah­run­gen mit Myo­men mitnimmst.

Herz­lich will­kom­men Rosco! Bitte stelle dich kurz vor.

Ich bin Rosco Spears. Ich bin Male­rin, unter­richte Kunst, bin Lieb­ha­be­rin und Part­ne­rin. Und ich bin Crea­tive Direc­tor bei The Lip Bar, einer vega­nen Kos­me­tik­li­nie mit Sitz in Detroit, USA. Der­zeit lebe ich in Beacon, New York.

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Photo Credits: Rosco Spears

Wie war deine Krank­heits­ge­schichte bis zur fina­len Dia­gnose von Myomen?

Ich habe etwa zwei Jahre lang unter sehr star­ken Blu­tun­gen und Krämp­fen gelit­ten. Im Jahr 2011 habe ich dann ange­fan­gen, nach Ant­wor­ten für meine Beschwer­den zu suchen. Ich bin zu ein paar ver­schie­de­nen Ärzt*innen gegan­gen. Sie waren sich alle einig, dass ich nur eine starke Blu­tung hatte und dass es kei­nen Grund zur Sorge geben würde. Mir wurde ein hor­mo­nel­les Ver­hü­tungs­mit­tel ver­schrie­ben, was dazu führte, dass ich zwei Monate lang unun­ter­bro­chen blu­tete. Also habe ich ent­schie­den, mich ein­fach mit mei­ner star­ken Blu­tung zu arran­gie­ren. Im Jahr 2012 bin ich nach New York gezo­gen und fing an, neue Ärzt*innen auf­zu­su­chen. Damals wurde bei mir ein Myom dia­gnos­ti­ziert. In die­sem Jahr habe ich sehr viel Blut ver­lo­ren und ich erhielt meine erste Blut­trans­fu­sion. Mir wurde eine abdo­mi­nale Myo­mek­to­mie vor­ge­schla­gen, um die Myome zu entfernen.

Wel­che Erfah­run­gen hast du mit Ärzt*innen gemacht?

Meine Erfah­rung mit Ärzt*innen war ein Wir­bel­wind. Mir ist klar gewor­den, dass man bei den meis­ten Ärzt*innen um einen Ultra­schall bit­ten muss (eine der weni­gen Mög­lich­kei­ten, Myome zu dia­gnos­ti­zie­ren). Ich war jah­re­lang bei Ärzt*innen, die mir gesagt haben, dass ich ein­fach nur eine starte Mens­trua­ti­ons­blu­tung habe. Erst vor kur­zem hat mir ein Arzt anhand eines Dia­gramms genau erklärt, wie sich die Plat­zie­rung von Myo­men in oder um der Gebär­mut­ter herum unter­schied­lich auf den Kör­per aus­wir­ken kön­nen. Ich hatte auch noch nie einen Arzt, der mir von ganz­heit­li­chen Behand­lungs­me­tho­den erzählt hat, die zur Lin­de­rung der Schmer­zen und Blu­tun­gen bei­tra­gen kön­nen. Der Besuch bei Ärzt*innen ist im All­ge­mei­nen eine ein­same Erfah­rung, bei der ich mit unbe­ant­wor­te­ten Fra­gen wie­der nach Hause gehe.

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Photo Credits: Rosco Spears

Wel­che Sym­ptome hast du?

Jah­re­lang habe ich unter Blut­ar­mut gelit­ten. Ich habe sehr starke Mens­trua­ti­ons­blu­tun­gen mit vie­len Blut­klümp­chen. Manch­mal sind die Blut­klum­pen so groß wie meine Faust oder grö­ßer (siehe Bild oben). Ich erlebe extreme Müdig­keit, wenn ich meh­rere große Blut­klum­pen ver­liere. Es gibt Tage, an denen ich nur auf die Toi­lette und wie­der ins Bett gehen kann, weil ich keine Ener­gie für etwas ande­res habe. Wenn ein grö­ße­rer Blut­klum­pen mei­nen Kör­per ver­las­sen möchte, ist der Schmerz, den ich dabei emp­finde, unbe­schreib­lich. Medi­ka­mente wir­ken bei mir nicht mehr. Ich habe auf­grund mei­ner nied­ri­gen Blut­werte auch ein Herz­ge­räusch ent­wi­ckelt. Ich habe schließ­lich Norethin­dron bekom­men. Ein hor­mo­nel­les Ver­hü­tungs­mit­tel, das meine Peri­ode regu­lie­ren sollte. Ange­fan­gen im Okto­ber 2018, habe ich dann aber 15 Monate lang jeden Tag geblu­tet. Heut­zu­tage habe ich Blut­klum­pen und starke Schmer­zen, wenn ich unter hohem Stress stehe oder inten­siv trainiere.

Wel­che Behand­lungs­mög­lich­kei­ten oder The­ra­pie­for­men hast du schon versucht?

Was The­ra­pie betrifft, habe ich von allem etwas aus­pro­biert. Ich habe ver­sucht, Fleisch, Soja und Milch­pro­dukte weg­zu­las­sen. Ich habe Aku­punk­tur aus­pro­biert. Unend­lich viele Kräu­ter und Tees und Yoni-Stea­ming. Im Sep­tem­ber 2013 hatte ich meine erste Ope­ra­tion zur Ent­fer­nung eines Myoms, eine abdo­mi­nale Myomektomie.

Gibt es All­tags­ge­wohn­hei­ten, die dein Leben mit Myo­men erleichtern?

Zu den all­täg­li­chen Gewohn­hei­ten, die mein Leben mit Myo­men erleich­tern, gehört die Über­wa­chung mei­nes Stress­le­vels. Wich­tig ist auch, dass ich täg­lich mein Eisen­prä­pa­rat ein­nehme. Was auch hilft, ist Soja und Milch­pro­dukte aus mei­ner Ernäh­rung zu strei­chen und mein Fleisch­kon­sum zu mini­mie­ren. Auch inten­sive Atem­übun­gen und das ehr­li­che Hören auf mei­nen Kör­per hel­fen mir sehr.

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Photo Credits: Rosco Spears

Was bedeu­tet ein Leben mit star­ken Myomen?

Das Leben mit Myo­men ist hart. Es ist angst­aus­lö­send. Ein Leben mit Myo­men bedeu­tet, dass ich für die Arbeit extra Klei­dung mit­neh­men muss, weil ich unter­wegs meine Hose rui­nie­ren könnte. Es bedeu­tet, dass ich so viel Blut ver­liere, dass ich Blut­trans­fu­sio­nen bekom­men muss. Und ich bin daran gewöhnt, mein Leben mit nur der hal­ben Ener­gie zu leben zu können.

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Photo Credits: Rosco Spears

Hast du Fra­gen zum Leben mit Myomen?

Liebe Rosco, vie­len Dank, dass du uns dar­über auf­ge­klärt hast, wie ein Leben mit star­ken Myo­men wirk­lich aus­sieht! Wenn ihr wei­tere Fra­gen zu Myo­men habt, kann ich euch die gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tion Fibroid Foun­da­tion emp­feh­len. Sie set­zen sich für mehr Wis­sen, Behand­lungs­mög­lich­kei­ten und all­ge­meine Infor­ma­tio­nen rund um Myome ein. Die Orga­ni­sa­tion hat außer­dem den „Fibroid Awa­reness Month“ initi­iert, der jedes Jahr im Juli statt­fin­det (und die­ses Inter­view inspi­riert hat). Sie wol­len damit den Dis­kre­pan­zen in der Gesund­heits­in­for­ma­tion, der For­schung und dem man­geln­den Bewusst­sein für Myo­men ent­ge­gen­wir­ken. Wie immer freuen wir uns von euren Erfah­run­gen und Geschich­ten zu hören, falls auch ihr unter Myo­men lei­det – schreibt es doch in die Kom­men­tare oder schickt uns eine Nachricht.

Britta 
Co-Foun­de­rin Vulvani | britta@vulvani.com | Web­site | + posts

Britta Wiebe ist die Co-Grün­de­rin von Vul­vani. Am liebs­ten recher­chiert, schreibt und kon­zi­piert sie den gan­zen Tag neue Arti­kel oder inno­va­tive Bil­dungs­for­mate rund um Mens­trua­tion. Wenn sie nicht in der wei­ten Welt unter­wegs ist, genießt sie ihre Zeit mit lie­ben Men­schen im schö­nen Hamburg.