‚Mens­trua­tion around the world’ ist eine The­men­reihe von Vul­vani, die ver­sucht die Viel­falt von Mens­trua­ti­ons­er­fah­run­gen in aller Welt auf­zu­zei­gen. Wir por­trä­tie­ren Per­so­nen aus ver­schie­de­nen Län­dern mit ihren per­sön­li­chen Geschich­ten. Lasst uns gemein­sam die wun­der­bare und so viel­fäl­tige Welt der Mens­trua­ti­ons­er­fah­run­gen erkun­den und mehr Wert­schät­zung für die eigene Mens­trua­tion erler­nen. Sehen wir uns an, warum Moni­cah eine Mens­trua­ti­ons­or­ga­ni­sa­tion in Kenia gegrün­det hat!

Mehr als 1,2 Mil­lio­nen Grundschüler:innen in Kenia gehen nicht zur Schule, weil es ihnen an Mens­trua­ti­ons­pro­duk­ten man­gelt. Moni­cah von Heels4Pads star­tete des­halb eine CSR-Kam­pa­gne unter Sis­ter Speaks Glo­bal mit dem Ziel, das Bewusst­sein für Mens­trua­ti­ons­ar­mut zu schär­fen und gleich­zei­tig Mens­trua­ti­ons­be­trof­fene zu stär­ken. Dabei geht es außer­dem darum, die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter und die Gleich­be­rech­ti­gung durch Mens­trua­ti­ons­ge­sund­heit zu för­dern. Hier erzählt sie uns, wie die Mens­trua­tion in Kenia wahr­ge­nom­men wird und was sie dazu bewo­gen hat, die Mens­trua­ti­ons­or­ga­ni­sa­tion zu gründen.

Per­sön­li­che Eckdaten

Name: Moni­cah
Alter: 33
Geschlecht: weib­lich
Wohn­ort: Nai­robi, Kenia
Stu­dium + Job: Busi­ness & ICT; der­zeit Sozi­al­un­ter­neh­me­rin im Bereich Mens­trua­ti­ons­ge­sund­heit und Gleich­stel­lung der Geschlech­ter
Alter bei der ers­ten Peri­ode: 13
Lieb­lings-Mens­trua­ti­ons­pro­dukt: Bin­den und neu­er­dings Heels4Pads (wie­der­ver­wend­bare Bin­den, die von mei­ner Mens­trua­ti­ons­or­ga­ni­sa­tion her­ge­stellt wer­den)
Kos­ten pro Mens­trua­tion: 50 KSHS  (0,39€; 0,45$) für Ein­weg­pro­dukte und 250 KShs (1,16€; 1,36$) für wie­der­ver­wend­bare (die hal­ten aber län­ger)
Ver­hü­tungs­me­thode: die Pille

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Wie wird die Mens­trua­tion in dei­ner Fami­lie, dei­ner Kul­tur und sogar in dei­nem Land gese­hen? Wie kam es dazu, dass du eine Mens­trua­ti­ons­or­ga­ni­sa­tion gegrün­det hast?

Mens­trua­tion ist ein Tabu­thema. Meine Erfah­run­gen wur­den eher von mei­nen Lehrer:innen in der Schule als von mei­ner Fami­lie und mei­nen Erzie­hungs­be­rech­tig­ten geprägt. Mein Weg dort­hin war aber rela­tiv rei­bungs­los. Lei­der ist das in vie­len ande­ren Kul­tu­ren in Kenia nicht der Fall. Erst 2019 nahm sich ein Mäd­chen das Leben. Sie wurde von ihrer Leh­re­rin ver­spot­tet, weil es ihr Kleid mit Mens­trua­ti­ons­flüs­sig­keit befleckt war. Damit soet­was in Zukunft nicht mehr pas­siert, haben wir die Mens­trua­ti­ons­or­ga­ni­sa­tion Heels4Pads gegrün­det. In die­ser sor­gen wir mit Hilfe der Main­stream-Medien für mehr Bewusst­sein, um Scham, Schwei­gen und Stig­ma­ti­sie­rung zu überwinden.

Wie und von wem wur­dest du über die Mens­trua­tion aufgeklärt?

Die Lehr­kräfte in der Schule und Non­nen unter­rich­te­ten mich im Rah­men von Kur­sen und Semi­na­ren über repro­duk­tive Gesund­heit, ein­schließ­lich Mens­trua­tion. Wir wur­den also mit Wis­sen und sogar Peri­oden­pro­duk­ten ausgestattet.

Berichte uns ein wenig über deine erste Periode!

Meine erste Peri­ode kam am Weih­nachts­tag 2000 🙂 Zuerst war ich scho­ckiert, weil ich mit allen mei­nen Fami­li­en­mit­glie­dern zu Mit­tag aß. Die Krämpfe ver­dar­ben mir dann lei­der die gute Laune. Ich hatte aber zum Glück (Always) Bin­den, die mir die Schule zur Ver­fü­gung gestellt hatte. Schließ­lich erzählte ich es mei­ner älte­ren Cou­sine, die dafür sorgte, dass ich Schmerz­mit­tel bekam und mich aus­ru­hen konnte.

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Photo credit: Monicah

Wie stehst du zu dei­ner eige­nen Mens­trua­tion? Hat sich das Gefühl ver­än­dert, seit du für deine Mens­trua­ti­ons­or­ga­ni­sa­tion arbeitest?

Ich betrachte sie als eine wun­der­bare Ablö­sung und Erneue­rung mei­nes Fort­pflan­zungs­sys­tems und als eine Art Raus-mit-dem-Alten-rein-mit-dem-Neuen-Sze­na­rio. Aller­dings ist meine Mens­trua­tion in den letz­ten Jah­ren etwas unre­gel­mä­ßig gewor­den, was mich eine Menge Geld und Arbeit mit mei­nen Hor­mo­nen gekos­tet hat. Ich nutze nun meine Erfah­rung damit, um junge Men­stru­ie­rende, die ich bei mei­ner Arbeit mit unse­rer Mens­trua­ti­ons­or­ga­ni­sa­tion Heels4Pads treffe, dar­über auf­zu­klä­ren, dass unre­gel­mä­ßige Peri­oden sie nicht weni­ger mensch­lich machen. Es ist wich­tig, dass sie sich Hilfe suchen, um ein­zu­grei­fen und die Kon­trolle über ihren Kör­per und ihre Gesund­heit zu über­neh­men. Seit ich in die­sem Bereich arbeite, lerne ich jeden Tag dazu. Ich stütze mich dabei auf die Erfah­run­gen ande­rer Men­stru­ie­ren­der, die ich treffe und indem ich von ihrem per­sön­li­chen Wegen erfahre.

Wel­che Mens­trua­ti­ons­pro­dukte hast du schon ausprobiert?

Anfangs habe ich Pro­dukte von Always ver­wen­det, aber sie haben bei mir irgend­wann zu Haut­rei­zun­gen geführt. Das lag an den Duft­stof­fen, die ich nicht ver­tra­gen habe. Ich bin dann auf eine lokale Baum­woll­marke umge­stie­gen und habe bis zum letz­ten Jahr keine wei­te­ren schlech­ten Erfah­run­gen gemacht. Jetzt benutze ich die jedoch wie­der­ver­wend­bare Stoff­bin­den, die meine Mens­trua­ti­ons­or­ga­ni­sa­tion Heels4Pads her­stellt. Kom­fort ist näm­lich alles! Wenn ich auf Rei­sen oder schwim­men bin, benutze ich aber auch manch­mal Tam­pons von Tam­pax. Das ist jedoch keine täg­li­che Sache.

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Was tust du gerne, wenn du deine Peri­ode hast?

Ich liebe es, viel zu trin­ken, mich aus­zu­ru­hen, zu deh­nen und ein­fach in Ruhe gelas­sen zu wer­den 🙂 Ich trinke viel Pfef­fer­minz­tee, gol­dene Kokos­nuss­milch und esse viel Obst. Einen beson­de­ren Heiß­hun­ger habe ich aber nicht.

Wie fühlst du dich wäh­rend dei­ner Mens­trua­tion? Hast du Regelschmerzen?

Ja, ich habe Regel­schmer­zen, aber seit ich älter gewor­den bin und die Pille nehme, sind die Schmer­zen viel bes­ser geworden.

Mit wem sprichst du über Mens­trua­tion, seit du in dei­ner Mens­trua­ti­ons­or­ga­ni­sa­tion arbeitest?

Auf­grund mei­ner Arbeit in der MHM spre­che ich mit wirk­lich jedem über Mens­trua­tion. Egal ob in einem Club, im Super­markt, im Uber oder zu Hause – ich spre­che ein­fach immer über Menstruation!

Hast du eine beson­ders lus­tige, pein­li­che oder wich­tige Geschichte über Mens­trua­tion aus dei­ner Arbeit bei der Menstruationsorganisation?

Ich habe keine beson­dere Geschichte, aber wir haben ein sozia­les Expe­ri­ment in den Stra­ßen von Nai­robi durch­ge­führt. Dabei ging es darum, die öffent­li­che Wahr­neh­mung der Peri­ode zu tes­ten. Dafür habe ich mein Kleid mit Lebens­mit­tel­farbe befleckt, und die Leute haben ganz unter­schied­lich dar­auf reagiert. Es war wirk­lich lus­tig, die ver­schie­de­nen Reak­tion der Leute zu sehen. Hier kannst du das Video anschauen:

YouTube video

Hast du eine Buch­emp­feh­lung für uns?

The Mana­ged Body“ ist ein Buch, das jeder lesen sollte!

Du hast jetzt von Monicah’s Arbeit bei Heels4Pads erfah­ren und möch­test gerne ehren­amt­lich mit­ar­bei­ten? Dann melde dich hier.

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Photo credit: Monicah

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Hast du Lust ein Teil von ‚Mens­trua­tion around the world’ zu werden?

Wir hof­fen, die  Por­träts von men­stru­ie­ren­den Men­schen so viel­fäl­tig und divers wie mög­lich prä­sen­tie­ren zu kön­nen. Und dafür brau­chen wir dich – ganz egal, wie du zu dei­ner eige­nen Mens­trua­tion stehst oder woher du kommst! Wenn du Lust hast, Teil die­ser Serie zu wer­den und deine per­sön­li­chen Erfah­run­gen sowie Gedan­ken über Mens­trua­tion mit uns zu tei­len, dann schreibe uns eine Nach­richt oder fülle ein­fach den Fra­gen­bo­gen aus (auch anony­mi­siert mög­lich). Wir freuen uns schon jetzt, deine Geschichte mit der Vul­vani-Com­mu­nity zu teilen!

Vivien Ulm
Vivi 
Stu­die­rende & Redakteurin | + posts

Vivi stu­diert Jour­na­lis­tik und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft im schö­nen Ham­burg und ist seit Juli Teil des Vul­vani-Teams im Bereich Social Media und Con­tent. Ihre Lieb­lings­ak­ti­vi­tä­ten sind: mit Freund:innen durch die Stadt spa­zie­ren, Serien bin­gen und lecke­res vega­nes Essen kochen/schmausen (nicht unbe­dingt in die­ser Rei­hen­folge). Sie inter­es­siert sich sehr für Mens­trual Health und fin­det, dass es noch soooo viel über den mensch­li­chen Kör­per zu ler­nen gibt.