Lass uns über die­ses Gespräch reden – du weißt schon, “DAS Gespräch” über die Bie­nen und die Blüm­chen. Denn frü­her oder spä­ter fan­gen Kin­der an, Fra­gen über den mensch­li­chen Kör­per zu stel­len und dar­über, woher Babys eigent­lich kom­men. Und genau in die­sem Moment bist du viel­leicht über­haupt nicht vor­be­rei­tet. Also wie und wann soll­test du nun am bes­ten mit Kin­dern über Sex spre­chen? Jen­ni­fer von Your­Pe­ri­od­Cal­led hat einen klei­nen Leit­fa­den für dich zusam­men­ge­stellt. Schauen wir ihn uns an!

“Das Gespräch” führen

Das Thema Sex ist viel­leicht eines der schwie­rigs­ten oder ner­ven­auf­rei­bends­ten für Eltern. Denn Sex ist gut und es macht Spaß, wenn man mit Freun­din­nen und Freun­den bei einem Glas Wein dar­über rede. Aber der Gedanke daran, das Thema mit einem 14-jäh­ri­gen Kind anzu­spre­chen, ist etwas … erschre­ckend! Die gute Nach­richt ist: es wird nicht so schlimm sein, wie du es dir vor­stellst! Die zweite gute Nach­richt: wir haben einen Leit­fa­den zusam­men­ge­stellt, wie du mit dei­nen Kin­dern schon in jun­gen Jah­ren über Sex spre­chen kann.

Sex macht Spaß, wenn er gesund und ein­ver­nehm­lich ist und wenn wir uns dar­auf freuen. In Wirk­lich­keit haben aber 40-85 Pro­zent der Kin­der bis 13 Jah­ren bereits Erfah­run­gen mit der sexu­el­len Erkun­dung von Gleich­alt­ri­gen gemacht. Unsere Ein­stel­lung zu Sex und Sexua­li­tät beginnt nicht erst in der Puber­tät oder wenn wir in der Schule etwas über Sex ler­nen (falls das über­haupt pas­siert). Es beginnt viel, viel frü­her. Und gesunde Ansich­ten und Gewohn­hei­ten in Bezug auf Sexua­li­tät las­sen sich bei Kin­dern leich­ter ent­wi­ckeln, als du denkst. Also reden wir dar­über, wann du anfan­gen soll­test, mit dei­nen Kin­dern über Sex und Sexua­li­tät zu spre­chen, was sie in wel­chem Alter wis­sen soll­ten und wie du als Eltern­teil einen küh­len Kopf bewah­ren kannst!

Wann soll­test du anfan­gen, mit dei­nen Kin­dern über Sex zu sprechen?

Denke dar­über nach, wann du ange­fan­gen hast, etwas über Sex zu ler­nen. War es durch eine/n Lehrer:in? Von einem Eltern­teil? Einem Gleich­alt­ri­gen in der Schule? Hast du eine Zeit­schrift gefun­den, als du im Zim­mer dei­ner Eltern oder dei­ner älte­ren Geschwis­ter her­um­ge­schnüf­felt hast? Meis­tens erfah­ren wir über Kanäle über Sex, die für das Ler­nen nicht gerade opti­mal sind. Diese Momente kön­nen aber unser Leben und unsere Vor­stel­lung davon, was Sex sein soll, prä­gen. Ob diese Vor­stel­lung nun gesund ist oder nicht.

Ein erwach­se­ner Mensch, der mit einem Elf­jäh­ri­gen über Sex spricht, oder ein Porno, der ihm zum ers­ten Mal “Sex” zeigt, kön­nen zu sehr unter­schied­li­chen Vor­stel­lun­gen davon füh­ren, was Sex ist und sein kann. Es ist des­halb wich­tig, schon mit drei oder vier Jah­ren mit Kin­dern über Sex und Sexua­li­tät zu spre­chen, und zwar auf eine Weise, die dem Alter, den Bedürf­nis­sen und der Per­sön­lich­keit des Kin­des ange­mes­sen ist, und das Thema im Laufe der Jahre immer wie­der auf­zu­grei­fen. So machst du es richtig:

Mit Kin­dern über Sex spre­chen: 5 Jahre und jünger

Das Thema im Alter von drei oder vier Jah­ren hat nichts mit tat­säch­li­chem Sex zu tun, son­dern mit der Fest­le­gung von Gren­zen und den rich­ti­gen Namen für Kör­per­teile. Es ist mög­lich (nor­mal, gesund und ent­wick­lungs­ge­mäß), dass deine Kin­der in die­sem Alter begin­nen, ihren Kör­per zu erfor­schen. Wenn du fest­stellst, dass sie sich auf eine sexu­elle Art und Weise selbst berüh­ren, ist das völ­lig in Ord­nung. Für sie fühlt sich das ein­fach gut an, und sie haben keine Ahnung, was sie da tun. In sol­chen Momen­ten ist es wich­tig, ihnen ruhig zu sagen, dass es toll ist, sei­nen Kör­per zu genie­ßen, aber dass dies am bes­ten im Pri­va­ten geschieht. Erkläre ihnen auch, was “gute” und “schlechte” Berüh­run­gen sind. Gute Berüh­run­gen sind Dinge wie Umar­mun­gen, Händ­chen­hal­ten oder Win­del­wech­sel. Schlechte Berüh­run­gen sind Dinge, bei denen sie sich unwohl füh­len, wie Schläge und Tritte. Sie sol­len “Nein!” sagen, wenn sie sich unsi­cher fühlen.

Mit Kin­dern über Sex spre­chen: Alter 5-8 Jahre

In die­sem Alter zei­gen Kin­der ein tie­fe­res Ver­ständ­nis für Geschlech­ter­rol­len und erkun­den viel­leicht ein wenig mit ihren Freund:innen. Sie sind neu­gie­rig auf ihren Kör­per und Jun­gen haben viel­leicht schon erste Erek­tio­nen. In die­sem Alter ist es wich­tig, ihnen zu sagen, dass Erek­tio­nen völ­lig nor­mal sind und dass ihr Kör­per älter wird. Im Alter von acht Jah­ren kann man ihnen mehr dar­über erzäh­len, wie das mit der mensch­li­chen Fort­pflan­zung zusam­men­hängt und die Mens­trua­tion ein­be­zie­hen. Es ist ein guter Zeit­punkt, um mit dei­nem Kind über ver­schie­dene sexu­elle Ori­en­tie­run­gen und nicht-ste­reo­type Geschlech­ter­rol­len zu spre­chen. Und dar­über, dass diese flie­ßen­der sind als nur “Mäd­chen und Jun­gen”. Wenn es diese Men­schen in dei­ner Umge­bung noch nicht gibt, kannst du dazu bei­tra­gen, die­ses Ver­ständ­nis zu för­dern und es durch Spiele, Bil­der­bü­cher, Geschich­ten, Filme oder andere Medien zu vermitteln.

Mit Kin­dern über Sex spre­chen: Im Alter von 9-12 Jah­ren und dar­über hinaus

Mit dem Her­an­na­hen der Puber­tät beginnt bei Kin­dern ein natür­li­cher Pro­zess, in dem sie sich mehr Frei­raum und Unab­hän­gig­keit wün­schen. Hier kannst du mit dei­nen Kin­dern über Sex spre­chen, indem du ihnen erklärst, wie die Fort­pflan­zung funk­tio­niert. Sie wer­den mehr sexu­elle Erre­gung ver­spü­ren und neu­gie­ri­ger auf Erfah­run­gen rund um Sex und Kör­per werden.

Das unheim­li­che Internet

Wir leben im Zeit­al­ter des Inter­nets und es ist wich­tig, Kin­dern Medi­en­kom­pe­tenz zu ver­mit­teln und Eltern­pro­to­kolle für ihre digi­ta­len Geräte ein­zu­rich­ten. Erkläre dei­nem Kind, wo es zuver­läs­sige und seriöse Infor­ma­tio­nen über Sex, sexu­elle Ent­wick­lung und den Kör­per fin­den kön­nen. Zum Thema Mens­trua­tion kannst du immer wie­der auf die Geschich­ten von Vul­vani und Your­Pe­ri­od­Cal­led zurück­grei­fen, um das Eis zu bre­chen. Es ist ein guter Zeit­punkt, um über die Sicher­heit im Inter­net und die Risi­ken von Online-Kon­tak­ten zu spre­chen. Die Fähig­keit, andere zu und ihre Gren­zen zu respek­tie­ren, wird immer wich­ti­ger (auch für Erwachsene).

Respekt und Grenzen

Dazu eig­nen sich beson­ders Rol­len­spiele zum Thema Respekt und Gren­zen. Es ist hilf­reich, vor dem Gespräch einige Ziel­the­men fest­zu­le­gen und ein Netz­werk des Ver­trau­ens zu schaf­fen, an das sich dein Kind mit Fra­gen wen­den kann. Kin­der wer­den in die­sem Alter immer unab­hän­gi­ger und könn­ten sich an unge­sunde Infor­ma­ti­ons­quel­len wen­den, wie Gleich­alt­rige oder Pornos.

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Kom­mu­ni­ka­tion mit einem Teenager

Nach dem zwölf­ten Lebens­jahr ist dein Kind offi­zi­ell im Teen­ager-Alter. Es ist dann gut dar­auf vor­be­rei­tet, seine Gren­zen zu zie­hen, zu wis­sen, dass Sexua­li­tät nichts mit Scham zu tun hat, und ein Unter­stüt­zungs­sys­tem zu haben, an das es sich wen­den kann. Auch wenn es viel­leicht unan­ge­nehm ist, soll­test du dich min­des­tens ein­mal im Jahr bei dei­nem Kind erkun­di­gen, wie es läuft, es bei sei­nen Fra­gen unter­stüt­zen und es daran erin­nern, dass du immer ein offe­nes Ohr hast (und es auch offen las­sen). In die­sem Alter setzt die erste Mens­trua­tion ein, und es ist an der Zeit, mit dem/r Kinderärzt:in über die erste Unter­su­chung zur sexu­el­len Gesund­heit zu spre­chen. Vor allem, wenn dein Kind schon eine Bezie­hung hat.

Jen­ni­fers Tipps

Bevor wir zum Schluss kom­men, hier noch ein paar Tipps:

  • Wenn du eine Frage dei­nes Kin­des beant­wor­tet hast, frage nach, ob die Frage beant­wor­tet wurde. Dann warte auf eine Ant­wort; lass dei­nem Kind Raum.
  • Die Fra­gen kön­nen wirk­lich bezau­bernd sein. Ver­such dein Bes­tes, nicht zu lachen. Werde auch auf kei­nen Fall wütend! Dein Kind sollte keine Angst haben oder sich schä­men, Fra­gen zu stellen.
  • Fasse dich kurz! Kin­der haben eine kurze Auf­merk­sam­keits­spanne, also sei bereit, dich zu wiederholen.

Atme tief durch und sei dir sicher, dass du es schaffst! Ein gut vor­be­rei­te­tes Kind beginnt damit, dass die Eltern sich die Zeit und die Sorg­falt neh­men, seine gesunde Ent­wick­lung zu unter­stüt­zen. Wenn du irgend­wel­che Fra­gen haben soll­test, kannst du Your­Pe­ri­od­Cal­led oder Jen­ni­fer gerne direkt kontaktieren.

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Jennifer 
Grün­de­rin von Your­Pe­ri­od­Cal­led, Pro­gramm­ge­stal­te­rin, Mode­ra­to­rin und Aktivistin / YourPeriodCalled.com | Web­site | + posts

Jen­ni­fer ist die Grün­de­rin von YourPeriodCalled.com und Ent­wick­le­rin und Mode­ra­to­rin von Lern­pro­gram­men für Kin­der und Gesund­heit. Seit ihren Teen­ager­jah­ren setzt sie sich lei­den­schaft­lich für die Gesund­heit, die opti­male psy­cho­so­ziale Ent­wick­lung von Kin­dern und das Ler­nen ein. Ursprüng­lich stammt sie aus Mont­real, Kanada, und lebt der­zeit auf einer win­zi­gen Insel namens Malta und im pul­sie­ren­den Ber­lin. Jen­ni­fer hat einen Mas­ter-Abschluss in Early Child Stu­dies und ein Zer­ti­fi­kat in Lear­ning Design.