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Menstruation, Götter und Tabus – Sugandhaas Story

Vivi

by Vivi

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Menstruation, Götter und Tabus – Sugandhaas Story

‚Menstruation around the world’ ist eine Themenreihe von Vulvani, die versucht die Vielfalt von Menstruationserfahrungen in aller Welt aufzuzeigen. Dabei porträtieren wir Personen aus verschiedenen Ländern mit ihren persönlichen Geschichten. Lasst uns gemeinsam die wunderbare und so vielfältige Welt der Menstruationserfahrungen erkunden und mehr Wertschätzung für die eigene Menstruation erlernen. Hast du zum Beispiel schon einmal von einer Göttin der Menstruation in Indien gehört?


Neben einer für Menstruierende sehr schmerzhaften Krankheit – Endometriose – hat Sugandhaa während ihrer Periode auch mit kulturellen Tabus zu kämpfen. In unserem Interview erzählt sie uns von einer Menstruationsgöttin, dem Menstruationstabu in Indien und dem Grund, warum sie während der Menstruation nur Weiß trägt. Du willst wissen, wer Sugandhaa’s persönliche Greta Thunberg ist? Dann lies weiter und erfahre Sugandhaas Geschichte über die Menstruation in Indien:

Persönliche Eckdaten

Name: Sugandhaa
Alter: 24
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Lucknow, Indien
Studium + Job: M.A. Philosophie
Alter bei der ersten Periode: 12
Lieblings-Menstruationsprodukt: organische Binden
Kosten pro Menstruation: ca. ₹199 (199 indische Rupie sind 2,47 Euro)
Verhütungsmethode: derzeit nicht erforderlich

Porträt von Sugandhaa Pandey, Philosophiestudentin aus Lucknow, Indien

1. Wie wird die Menstruation in deiner Familie, deiner Kultur und sogar in Indien gesehen?

Zunächst ist festzuhalten: Indien ist also ein Land mit vielen verschiedenen Kulturen. So verehren wir die menstruierende Göttin oder die blutende Göttin – Kamakhya Devi. So ist laut Kalika Purana der Kamakhya-Tempel (in Guwahati, Assam) der Ort, an dem sich die Göttin Sati heimlich mit Lord Shiva (Gott der heiligen Hindu-Dreifaltigkeit) zurückgezogen hat. Der Legende zufolge nahm Sati an einem Yajna (einer Art Gebet) ihres Vaters teilnahm, zu dem sie und ihr Mann absichtlich nicht eingeladen waren. Jedoch wurden sie und ihr Mann dabei beleidigt. Da sie die Beleidigungen nicht ertragen konnte, sprang Sati in die Opferfeuer des Yajnas. Daraufhin war Shivas Wut grenzenlos, als er von diesem Vorfall erfuhr. Infolgedessen führte er Tandava durch und trug den verbrannten Leichnam seiner Frau um die Welt. So wird also angenommen, dass Satis Schoß dort fiel, wo sich heute der Kamakhya-Tempel befindet. Außerdem ist es also ein Schrein, der die Shakti (innewohnende Kraft, Leben zu schenken) in jeder Frau feiert.

Menstruation in Indien

In Indien wird die Menstruation weitgehend als Tabu betrachtet. Meiner Meinung nach liegt das also vor allem daran, dass die Mehrheit der Bevölkerung in einer Weise erzogen wird, die es ihr nicht erlaubt, dem Thema gegenüber offen zu sein. Denn Tabus im Zusammenhang mit der Menstruation sind weit verbreitet, weil die so genannten Hüter und Interpreten unserer Religion und der religiösen Texte menstruierenden Menschen den Zutritt zu religiösen Einrichtungen verboten haben. Sie bezeichnen Menstruierende als unrein – so lautet das Urteil. Darüber hinaus gibt es also noch einen weiteren Grund, der in unseren Schriften genannt wird, warum Menstruierenden während ihrer Periode der Zutritt zum Tempel verwehrt wird. So wird tatsächlich angenommen, dass die Gebärmutter einer menstruierenden Person sogar von den Göttern als unantastbar angesehen wird, da sie neues Leben hervorbringt. Deshalb bringen Frauen also den Göttern das Paanchang Namaskaar darbringen, im Gegensatz zu den Männern, die das Shaashtaang Namaskaar ausführen.

Ich habe das Glück, in einer Familie aufgewachsen zu sein, die sich nicht an die jahrhundertealten Normen der Trennung von Menstruierenden während der Menstruation hält. Ich kann mit den männlichen Mitgliedern meiner Familie offen über meinen Zyklus sprechen. Das ist etwas, worauf sonst herabgesehen wird.

2. Wie und von wem wurdest du in Indien über die Menstruation aufgeklärt?

Mein erstes Gespräch über die Menstruation hatte ich also mit meiner älteren Schwester, als ich 12 war. Dabei erzählte sie mir von all den Regeln, die ich während der Menstruation beachten sollte. Insgesamt war es ein offenes und angenehmes Gespräch. So wurde ich über die Menstruation als biologisches Phänomen allerdings erst im Alter von 14 Jahren durch mein Biologie-Lehrbuch aufgeklärt.

Kunstwerk von Sugandhaa Pandey zum Thema Menstruation und kulturelle Traditionen

3. Kannst du uns ein wenig über deine erste Periode erzählen?

Meine erste Periode hatte ich, als ich wegen meiner Abschlussprüfungen in der sechsten Klasse in der Schule saß. So sollte ich an diesem Tag einen Test für Geografie schreiben. Erst später, als ich wieder zuhause war, bemerkte ich das Blut.

4. Wie denkst du über deine eigene Menstruation?

Die Menstruation war für mich stets eine sehr schmerzhafte Erfahrung. Aus diesem Grund wünschte ich mir als Teenager, dass sie verschwindet. Heute habe ich mich also damit abgefunden – nicht mit den Schmerzen, sondern mit der Tatsache, dass ich menstruiere. So geschah es, nachdem bei mir Endometriose diagnostiziert worden war. Zwar ist es eine sehr schmerzhafte Krankheit für Menschen mit einer Gebärmutter, doch hat sie mich dazu gebracht, meinen Körper mehr zu respektieren, zu lieben und mich besonders um ihn zu kümmern.

5. Welche Menstruationsprodukte hast du schon ausprobiert?

Ich habe also noch nie etwas anderes als Binden ausprobiert. Allerdings bin ich von biologisch nicht abbaubaren Binden auf Bio-Baumwollbinden umgestellt. Gelegentlich benutze ich auch Stoffbinden, wenn meine Vorräte knapp werden oder ein Notfall eintritt. Darauf aufmerksam gemacht hat mich meine Schwester, meine persönliche Greta Thunberg, auf diese umweltfreundlichen Produkte aufmerksam gemacht.

6. Was machst du gerne, wenn du deine Periode hast?

Mein Lieblingsritual, wenn ich meine Periode habe, ist also: mich mit einem heißen Wasserbeutel in meinem Bett zusammenzurollen. Dabei schaue ich mir mit einer Schüssel Nachos einen Schwarz-Weiß-Film an. In den ersten drei Tagen tue ich das normalerweise jeden Abend. Was ich hingegen nicht gerne tue, ist viel mit anderen Leuten zu reden. Wenn ich nicht menstruiere, bin ich sonst nämlich eine echte Quasselstrippe!

Kunstwerk von Sugandhaa Pandey über das Menstruationstabu in Indien

7. Wie fühlst du dich während der Menstruation?

Ich habe aufgrund meiner Erkrankung starke Regelschmerzen. Was mir dabei geholfen hat, sie zu lindern, ist eine Änderung meines Lebensstils. Ich vermeide ich den Verzehr von Zucker und koffeinhaltigen Produkten, und ich bin außerdem aktiver geworden, indem ich zum Beispiel leichte Trainingseinheiten einlege.

8. Mit wem sprichst du in Indien über deine Menstruation?

So habe ich inzwischen damit begonnen, auf öffentlichen Plattformen über Endometriose zu sprechen, um damit auf sensible Weise eine Diskussion über diese Krankheit anzufangen. Zuvor habe ich jedoch nur in meinem engen Freundes- und Familienkreis über die Menstruation gesprochen.

9. Hast du eine besonders lustige, peinliche oder wichtige Geschichte über die Menstruation?

Ich habe also eine Anekdote: Eines Tages trug ich in der Schule einen weißen Rock getragen, der zur Uniform gehörte. Ich war damals sehr müde und bemerkte nicht, dass ein Überlauf meiner Periodenflüssigkeit meinen Rock rot gefärbt hatte. Zu dieser Zeit hatte ich meine Menstruation nämlich noch nicht ganz im Griff. Seitdem achte ich also darauf, keine helle Kleidung mehr zu tragen, wenn ich menstruiere. Das ist ein persönliches Tabu.

10. Was ist dein Lieblingszitat zur Menstruation?

‘When she bleeds the smells I know change colour. There is iron in her soul on those days. She smells like a gun.’ – Jeanette Winterson, Written on the Body

Zum Schluss: Welches ist dein Lieblingszitat über die Menstruation? Schreib es uns in die Kommentare!


Hast du Lust ein Teil von ‚Menstruation around the world’ zu werden?

Wir hoffen, die  Porträts von menstruierenden Menschen so vielfältig und divers wie möglich präsentieren zu können. Und dafür brauchen wir dich – ganz egal, wie du zu deiner eigenen Menstruation stehst oder woher du kommst! Wenn du Lust hast, Teil dieser Serie zu werden und deine persönlichen Erfahrungen sowie Gedanken über Menstruation mit uns zu teilen, dann schreibe uns eine Nachricht oder fülle einfach den Fragenbogen aus (auch anonymisiert möglich). Wir freuen uns schon jetzt, deine Geschichte mit der Vulvani-Community zu teilen!

Vulvani-Serie Menstruation around the world – persönliche Geschichten teilen